Bügeln, Anzüge und andere Nichtigkeiten

Mein Job bringt es mit sich, dass ich um das ein oder andere Mal nicht umhin komme, einen Anzug mit Schlips – Entschuldigung … Krawatte – und Kragen zu tragen. Ok, dank meines „einsichtigen“ Chefs wirklich nur noch ziemlich selten. Anfänglich dachte ich (und das ist jetzt schon fast 20 Jahre her), dass ich mich mit der Zeit daran gewöhnen würde. Denn so ne dolle Geschichte ist das ja nun wirklich nicht, sollte man meinen. Aber auch heute habe ich immer noch so meine Problemchen damit. Nicht genug, dass man ja immer ein paar dieser Teile auf Halde haben muss (nach Möglichkeit in unterschiedlichen Größen), von entsprechenden Hemden mit Krawatte will ich gar nicht reden, müssen eben gerade diese Hemden ja auch gebügelt werden. Womit sich bei mir das nächste persönliche Abneigungsproblem auf tut. Nicht dass ich nicht Bügeln könnte. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass ich das besser als meine Frau kann. Obwohl ich ja mit der Zeit glaube, dass sie mir dieses Gefühl mit System vermittelt. Gerade bei schwierigen Kleidungsstücken kommt da öfter mal die Frage, ob ich nicht mal schnell könnte und überhaupt, die Hemden kann ich ja eh viel besser bügeln. Mmmmhhhmmm … ich glaub da gibt’s Redebedarf.

Im Gegensatz zu meiner Mutter, die früher alles gebügelt hat, angefangen bei Küchenhandtüchern, über Unterwäsche bis zu den Socken … Mutti machst Du das heute eigentlich immer noch? … rutscht bei mir sonst gar nichts über das Bügelbrett, mal von den Hemden abgesehen.

Aber ich schweife ab.

Warum aber muss man eigentlich in bestimmten Bereichen sich derart „aufstrapsen“? Aus Repräsentationszwecken (würde für mich gerade noch so durch gehen, auch wenn es so weit geht, dass innerhalb einer Firma sich eine Abteilung gegenüber einer anderen in dieser Form repräsentieren muss), um Seriosität auszustrahlen (ohne Kommentar), um das Gefühl zu vermitteln, man wisse wovon man spricht (da hilft bei manchen auch kein Anzug), um dem Gegenüber Respekt entgegen zu bringen (Kann ich das nicht auch in Jeans und T-Shirt?), um Know How (siehe man wisse wovon man spricht) auszustrahlen!?

Wie oft schiele ich neidisch auf Besprechungsteilnehmer von Agenturen, denen offensichtlich in Sachen Bekleidung ein gewisses Maß an künstlerischer Freiheit zugestanden wird. Auch Frauen haben dahingehend wesentlich mehr Handlungsspielraum in ihrer Bekleidungswahl.

Ein Anzug ist nun mal ein Anzug … Punkt aus, mal von farblichen Variationen abgesehen, bei denen man mittlerweile auch ziemlich eingeschränkt wird. Bleibt die Literzählerbehinderung, auch Krawatte genannt, die in farblicher Abstimmung mit dem dazugehörigen Hemd ein paar Gestaltungsmöglichkeiten offen lässt. Dies wird von Einigen dann doch sehr stark ausgereizt, was zum Teil meine oben gestellten Fragen ad absurdum führt.

Aber vielleicht sehe ich das auch nur zu eng – im wahrsten Sinne des Wortes.  ;-)

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Volle Zustimmung! Ich kann mich auch bis heute nicht ans Anzug tragen gewöhnen, obwohl ich mittlerweile sogar einen Maßanzug habe. Aber ich komme mir darin immer vor wie verkleidet.

    Das Bügeln der Hemden übernimmt glücklicherweise meine Frau. Dafür koche ich. Steht so im imaginären Ehevertrag

  2. Stell Dir vor Du wärst Koch, Krankenschwester, bei der Müllabfuhr oder Polizei. Ein Koch kann sich auch die Frage stellen warum er eine weiße Kochjacke und Hose tragen muss. In Jeans und T-Shirt wird er mit Sicherheit nicht besser oder schlechter kochen. Und in die Küche kommt auch selten ein Gast um zu sehen ob ein Koch mit „Kochkleidung“ entsprechende Kompetenz ausstrahlt.

    Da hat man doch mit Anzug, Hemd und Krawatte wesentlich mehr modische Gestaltungsmöglichkeiten. Gewisse Berufszweige haben nun mal ihre „Kleiderordnung“ und das weiß man bevor man den Beruf ausgewählt hat

    • Na die Vergleiche hinken aber mächtig.

      In der Küche oder im Krankenhaus geht es um Hygiene, also eher um durchaus sinnvolle und notwendige Funktionskleidung. Und warum sollte ich bei der Müllabfuhr nicht in Jeans und T-Shirt arbeiten (wenn ich es mir denn leisten kann).

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