Der Microzensus oder nackig machen für die Statistik

So … nun hat es auch mich und meine Familie ereilt. Nach längerer Zeit im Garten wollte ich mal wieder nach der Post schauen und fand einen größeren Brief und zwei gelbe Karten vor. Die erste gelbe Karte bezog sich auf ein Datum in der Vergangenheit, an dem man mich aufsuchen wollte. Da ich an diesem Termin nicht anwesend war, erhielt ich nun eine zweite gelbe Karte mit einem neuerlichen Terminvorschlag und gleich noch einen großen Umschlag mit allerlei Information zum Microzensus.

Ok … befragen will man mich mehrfach am Tag schon mittels Telefon, was natürlich klassisch nach einem kurzen Aufreger in einem Aufleger endet. So einfach kann und will man mir das hier nicht machen. Mich will extra jemand besuchen, der mir dann diese Fragen stellt. Aber nicht doch, nur keinen Aufwand, das ist doch gar nicht nötig – ICH WILL NICHTS ÜBER MICH ERZÄHLEN!

Nach dem studieren der beigelegten Unterlagen merke ich aber, das interessiert niemanden. Denn ich gehöre zu einem Prozent der Bevölkerung (390.000 Haushalte mit 830.000 Menschen), der das überaus große Glück hatte, nach einem mathematischen Zufallsprinzip für diese Befragung ausgewählt worden zu sein und dadurch „… mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung im überwiegenden Allgemeininteresse eingeschränkt werden kann …“. Das Glück möchte ich mal im Lotto haben. Aber offensichtlich habe ich hier bei einem Glücksspiel „gewonnen“, an dem ich selber nie teilgenommen habe (kommt mir auch irgendwie vom Telefon bekannt vor).

Meine erste Reaktion – ich will und muss keine fremden Leute in meine Wohnung lassen. Hä … Arsch gemacht! Nee leider nicht Die, ich war der Dumme, denn das Ganze kann natürlich auch am Telefon abgefragt werden oder man lässt sich gleich die Unterlagen zuschicken, um die Ausfüllarbeiten auch noch selbst zu übernehmen.

Jetzt wird vielleicht der Ein oder Andere sagen, ich weiß gar nicht was Du willst, dann mach es doch halt nicht. Tja am Arsch hängt der Hammer, das ist ja das Unding – man ist gesetzlich dazu verpflichtet die gestellten Fragen zu beantworten und zwar unter Androhung eines Zwangsgeldes, sollte man dem nicht Folge leisten. Mit Beantwortung dieser Fragen macht man sich nun völlig nackig, da wird bis auf wenige Ausnahmen vor nichts Halt gemacht (Wohnung, Einkommen, Krankheiten). Wen es genauer interessiert, der kann sich hier durch den gesamten Fragenkatalog des Microzensus 2010 arbeiten.

Und das Beste an der ganzen Geschichte ist, dass wir für die nächsten 4 Jahre dabei sind und jedes Jahr die Fragen beantworten müssen. Und da regen sich einige über Google StreetView auf, dass ich nicht lache.

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Stephan! Willkommen in meiner Welt.

    Mal abgesehen davon, dass wir zusammen Lotto spielen sollten (wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eigentlich dass zwei Freunde/Kollegen gleichzeitig am Mikorzensus teilnehmen müssen?), finde ich den Umgang mit den gemachten Daten am Schlimmsten.

    Dass ich die Daten angeben muss, damit „der Staat“ Berechnung zur gesellschaftlichen Entwickulung auf einer statistisch gesicherten Basis machen kann, sehe ich ja noch ein. Die Auskunftspflicht ist auch verständlich, da sonst eine repräsentative Erhebung kaum möglich wäre. Doch ich erwarte für meine „Mitarbeit“ zumindest eine Entschädigung und vor Allem den sensiblem Umgang mit meinen privaten Daten.

    Wenn man sich den Fragebogen nämlich zusenden lässt und selber ausfüllt, stellt man fest, dass an diesem „Fragebuch“, ein Zettel hängt, in dem die persönlichen Daten (Name, Adresse, Alter, etc.) eingetragen werden. Dieser Zettel wird dann angeblich vom Statistischen Bundesamt abgetrennt um die gemachten Angaben zu „anonymisieren“.

    Wer garantiert mir, dass der Zettel wirklich abgetrennt wird? Wieso liest man in Foren, dass Leute die einen Fehler bei den angegebenen Daten gemacht haben, angeschrieben wurden mit dem Hinweis, dass eine Verpflichtung zur Abgabe wahrheitsgemässer Daten besteht. So „anonym“ scheint das alles nicht zu sein und einen Schutz meiner Daten kann ich auch nicht kontrollieren. Das finde ich eine echte Unverschämtheit (um nicht das zu sehr strapazierte Wort „Skandal“ zu nutzen).

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